Im Gespräch mit einem Berufskrankheiten-Manager

Drei Fragen an … Frank Tobianski

Drei Fragen an … Frank Tobianski
© Privat

Wie sind Sie zur BGHM gekommen? 

Im September 1984 habe ich eine Ausbildung bei der damaligen Nordwestlichen Eisen- und Stahl- Berufsgenossenschaft in Hamburg begonnen. Ich hatte mich nach dem Abitur bei verschiedenen Behörden beworben. Bei der BG sagte ich zu. Nach fast 20-jähriger Tätigkeit als Unfallsachbearbeiter und Gruppenleiter wurde ich 2003 Berufskrankheiten- Manager (BK-Manager). 

Was sind Ihre Aufgaben? 

Die Betreuung von Schwerstkranken, meist mit der Diagnose Krebs, auch bis zu ihrem Tod, nimmt den größten Raum ein. Ich bin von der Ostseeküste bis Bremen unterwegs. Wenn sich die betroffenen Versicherten zum Beispiel mit den notwendigen schriftlichen Angaben zu ihrer Person, zum Krankheitsverlauf und zur Arbeitsvorgeschichte überfordert fühlen, die zu Beginn des Berufskrankheitenverfahrens notwendig sind, bündele und dokumentiere ich als BK-Manager diese Informationen für sie. Ich kläre mögliche Leistungsansprüche und trage bei einer anerkannten Berufskrankheit dafür Sorge, dass Versicherte die für sie sinnvollen Leistungen auch erhalten. 

Wir vom BK-Management kümmern uns auch um die Organisation von ambulanten und stationären Reha-Maßnahmen nach individuellen Bedarfen und stoßen die Versorgung mit Hilfsmitteln wie beispielsweise einem Sauerstoffgerät oder einem Rollstuhl an. Auch die Feststellung von Pflegeleistungen erfolgt bei einer Berufskrankheit durch das BK-Management des gesetzlichen Unfallversicherungsträgers und nicht durch einen Medizinischen Dienst. Verstirbt eine Betroffene oder ein Betroffener, gehören Trauergespräche mit Hinterbliebenen und deren Aufklärung über mögliche Ansprüche ebenfalls zu unseren Aufgaben. Ich führe zudem Hautund Atemwegssprechstunden durch und organisiere Hautschutzseminare für Erkrankte. 

Gibt es eine Begebenheit aus Ihrer Arbeit, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? 

Ich kann nicht von der einen herausragenden Begebenheit berichten. Es sind oft die Gespräche, die viele der Begegnungen besonders machen. Wir können schwerstkranken Menschen helfen. Sie beschreiben ihre Situation. Wir hören zu und nehmen alles auf, was ihnen wichtig ist. Psychische Betroffenheit nehmen wir wahr und gemeinsam suchen wir Lösungen. Die Erkrankten schätzen den persönlichen Ansprechpartner und dass dieser nicht ständig wechselt. Sie freuen sich über die Besuche, auch wenn der Anlass oft traurig ist. 

Wie oft habe ich mit den Betroffenen, die ich betreue, über den Sinn des Lebens gesprochen. Wie oft haben sich langjährig betreute Menschen verabschiedet, wurden Trauergespräche geführt. Sicherlich mehrere Tausend Male. Häufig habe ich den Eindruck, dass ich nicht wie ein Mitarbeiter eines Sozialversicherungsträgers, sondern wie ein guter Bekannter behandelt werde. Das macht die Arbeit für mich persönlich erträglich, denn die Begleitumstände sind meist schwer.

Hintergrund

In dieser Rubrik beantworten Beschäftigte der BGHM drei Fragen zu ihrem Berufsleben, ihrem Arbeitsalltag und was für sie das Besondere an ihrer Beschäftigung darstellt.

Ausgabe 2/2026