Reha- und Entschädigungsleistungen

Wie Mitgliedsbeiträge unmittelbar Versicherten helfen

Nicole Boos
© BGHM/bundesfoto GbR, Fotograf: Frank Rumpenhorst

Die BGHM gibt jedes Jahr etwa drei Viertel ihres Haushalts für Reha- und Entschädigungsleistungen aus. Damit unterstützt sie die bei ihr versicherten Beschäftigten nach einem Arbeitsunfall oder bei einer Berufskrankheit. Das bedeutet: Der größte Teil der Mitgliedsbeiträge kommt also in Form von zum Beispiel Rehabilitationsmaßnahmen und Entschädigungsleistungen direkt bei den Versicherten an. Die Leiterin des Bereichs Rehabilitation, Nicole Boos, schildert im Interview, mit welchen Mitteln die BGHM ihren Versicherten im Ernstfall zur Seite steht.

BGHM-Magazin: Frau Boos, welche Leistungen können Versicherte nach einem Arbeits- oder Wegeunfall oder bei einer Berufskrankheit von der BGHM erwarten? 

Nicole Boos: Das umfassende Leistungsspektrum umfasst zunächst die Heilbehandlung und die medizinische Rehabilitation. Dazu gehören die Erstversorgung und je nach Bedarf die ambulante oder die stationäre ärztliche Behandlung, Prothesen sowie orthopädische und andere Hilfsmittel. Auch ergänzende Leistungen, die notwendig sind, um diese Maßnahmen durchzuführen, werden gewährt. Das können etwa Reisekosten oder eine Haushaltshilfe sein. Zur umfassenden Rehabilitation können auch spezielle Rehabilitationsverfahren gehören, die nur die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen anbieten. Versicherte müssen übrigens nichts zuzahlen. 

BGHM-Magazin: Gibt es auch eine finanzielle Unterstützung? Der Verdienstausfall kann ja je nach Dauer der Krankschreibung erheblich sein.

Nicole Boos: Ja, die gibt es. Ist eine Versicherte oder ein Versicherter arbeitsunfähig oder in der Phase der medizinischen Reha, bekommt sie oder er von der BGHM Verletztengeld, wenn die Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber nach sechs Wochen endet. Auch beispielsweise während einer Berufshilfemaßnahme wie etwa einer Umschulung erhalten Versicherte finanzielle Unterstützung. Das sogenannte Übergangsgeld soll das fehlende Einkommen ausgleichen und die Bereitschaft der Versicherten fördern, an der Maßnahme teilzunehmen.

BGHM-Magazin: Nach einem Arbeitsunfall oder nach einer Berufskrankheit an den gewohnten Arbeitsplatz zurückzukehren – das ist für die meisten Menschen enorm wichtig. Wie unterstützt die BGHM dabei? 

Nicole Boos: Wir stehen auch bei diesem wichtigen Prozess an der Seite unserer Versicherten und begleiten sie dabei. Zum Beispiel mit dem notwendigen Umbau des Arbeitsplatzes, dem Einsatz von Hilfsmitteln oder einer Arbeitsassistenz. Ist eine Rückkehr an den vorhandenen Arbeitsplatz trotzdem nicht möglich, versuchen wir, natürlich in enger Abstimmung mit unseren Versicherten und dem Arbeitgeber, das Beschäftigungsverhältnis im bisherigen Betrieb zu erhalten. Zum Beispiel indem wir eine Neu- oder Weiterqualifizierung anstoßen und die Kosten dafür übernehmen, sei es im Betrieb oder auch in einer externen Bildungseinrichtung. Wenn das nicht gelingt, unterstützen wir unsere Versicherten dabei, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in einer neuen geeigneten Tätigkeit Fuß zu fassen.

BGHM-Magazin: Wenn es Versicherten wegen ihrer gesundheitlichen Einschränkungen nicht möglich ist, wie vor ihrem Unfall am sozialen Leben teilzuhaben, unterstützt die BGHM ebenfalls. Wie? 

Nicole Boos: Wir fördern die selbstbestimmte Teilhabe im Sinne der sogenannten UN-BRK, der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Und zwar frühzeitig und mit allen geeigneten Mitteln, wie es auch im Sozialgesetzbuch IX steht. Familie, Freizeit, Kultur, Sport und Erholung, Kommunikation, Wohnen und Mobilität sind hier die wichtigsten Bereiche. Hat ein Versicherter vor seinem Unfall zum Beispiel gern Radtouren mit der Familie unternommen, unterstützen wir unter bestimmten Voraussetzungen die Anschaffung eines Handbikes, sodass er das auch mit seinen Einschränkungen machen kann. 

BGHM-Magazin: Was braucht es, um dieses Leistungspaket umzusetzen? 

Nicole Boos: Ganz klar: ein starkes Team, das viele verschiedene Kompetenzen zusammenbringt. Mich begeistert jeden Tag aufs Neue die Motivation meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie haben täglich mit sehr schwer verletzten und erkrankten Menschen zu tun. Ihre Leidenschaft, den Versicherten mit allen geeigneten Mitteln zu helfen, wieder am sozialen und am Arbeitsleben teilzuhaben, ist wirklich toll.

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Ausgabe 3/2026