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Im Interview erklärt Andreas Köster, Fachreferent für die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen bei der BGHM, was die Risiken für schwere Maschinenunfälle sind und wie sie minimiert werden können.
Herr Köster, in der Statistik der DGUV gab es 2023 erstmals eine genauere Aufschlüsselung von Unfällen an Maschinen. Die Zahlen zeigen, dass Unfälle beim Rüsten und der Wartung der Maschinen schwerere Folgen hatten als Unfälle während des laufenden Betriebs. Was steckt dahinter? Weniger Wartung kann ja nicht die Alternative sein.
Andreas Köster: Nein, sicher nicht. Es ist wichtig, hier die Begriffe zu klären. Der Überbegriff ist die Instandhaltung, die ein breites Aufgabenfeld mit sehr unterschiedlichen Tätigkeiten aufspannt. Die Wartung zählt zur präventiven Instandhaltung. Sie dient also dazu, Störungen und Anlagenausfällen vorzubeugen. Zwar haben wir auch bei Wartungsarbeiten tödliche Unfälle, aber der weitaus größere Teil ist auf die Störungsbehebung an Maschinen und Anlagen zurückzuführen. Würde man Wartungsarbeiten herunterfahren, müsste man mit mehr Störungen rechnen, die sich dann auch erfahrungsgemäß negativ auf das Unfallgeschehen auswirken würden.
Bei der BGHM analysieren Sie Unfallberichte und schauen sich die Ursachen genau an. Was fällt Ihnen dabei auf? Welche Faktoren tragen zu Unfällen bei der Störungsbehebung an Maschinen bei?
Andreas Köster: Etwa 30 Prozent aller Instandhaltungsunfälle entfallen auf die Störungsbehebung. Das ist der größte Anteil. Ich habe insgesamt drei Faktoren identifiziert, die dort häufig zum Tragen kommen: Eine Störung sorgt so gut wie immer für Zeitnot und Stress. Es besteht die Gefahr, dass es zu Produktionseinbußen kommt und ein wirtschaftlicher Schaden entsteht. Je länger eine Störung andauert, desto teurer wird es.
Laufende Maschinen und Anlagen verursachen den größten Teil aller schweren Instandhaltungsunfälle. Für die Fehlersuche benötigt man aber häufig eine laufende Maschine oder Anlage, um den Fehler lokalisieren oder eingrenzen zu können. Instandhaltung wird nicht zwangsläufig von technischem Fachpersonal durchgeführt. Vermeintlich einfache Störungen durch verklemmte Werkstücke oder Produkte behebt das Produktionspersonal oft eigenmächtig, um weiter produzieren zu können. Nicht immer sind diese Personen für diese Aufgabe entsprechend ausgebildet oder geeignet.
Aufgabe der Unfallversicherung ist es, die Prävention zu stärken. Was können Sie empfehlen, damit es nicht zu gefährlichen Situationen bei der Störungsbeseitigung kommt?
Andreas Köster: In unserer Schrift Fachbereich- AKTUELL FBHM-127 „Sichere Störungsbeseitigung an Maschinen und Anlagen“ haben wir versucht, eine ganzheitliche Hilfestellung zu diesem Thema zu erstellen. Grob geht es um die drei V’s: Vorbeugen, Vorbereiten und Verbessern. Eine regelmäßige Wartung hilft, Störungen vorzubeugen oder zumindest deren Anzahl zu minimieren. Inspektionen helfen, Fehler rechtzeitig zu identifizieren und Reparaturen sauber zu planen und vorzubereiten. Ein ungeplanter Ausfall ist in der Regel deutlich teurer als ein geplanter Anlagenstillstand.
Natürlich kennt man Zeit und Ort der nächsten Störung nicht, aber es lassen sich viele Dinge im Vorfeld organisieren und planen. Dazu gehören standardisierte Prozesse wie die 4-Rang-Methode (siehe DGUV Information 209-015), Freigabeverfahren und vieles mehr. Gelegentlich kann es sogar Sinn machen, den Wechsel von Ersatzteilen zu üben, um im Ernstfall nicht nur sicherer, sondern auch schneller arbeiten zu können. Verbesserungen an Maschinen und Anlagen helfen Schwachstellen zu verringern, die Störungen verursachen. Wenn das Störungsgeschehen analysiert wird, hat man die Möglichkeit, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und sich entsprechend für die Zukunft vorzubereiten.
Ausgabe 3/2026