Interview zum Präventionstag Holz

„Das war ein Türöffnertag“

Interview zum Präventionstag Holz
© BGHM

Daniel Braun und Manfred Böhler sind zwei von insgesamt rund 350 Aufsichtspersonen (APen) der BGHM. Sie haben wie ihre Kolleginnen und Kollegen am Präventionstag Holz der BGHM am 19. März in ihren jeweiligen Aufsichtsgebieten ausschließlich Betriebe der Holzbe- und verarbeitung besucht. Im Interview schildern sie, worauf sie bei Betriebsbesuchen achten, was ein solcher Präventionstag bewirken kann und was Betriebe beim Arbeitsschutz beachten sollten.

BGHM-Magazin: Welche branchenspezifischen Risiken machen Prävention in der Holzverarbeitung besonders wichtig? 

Daniel Braun: Ein wichtiger Aspekt ist, dass Beschäftigte in Schreinereien und Tischlereien die Hände häufig sehr nahe am direkten Gefahrenbereich haben. In der Metallbearbeitung ist das meist weniger der Fall. Verletzungen durch holzverarbeitende Maschinen sind deshalb häufig sehr schwer und irreversibel. Hinzu kommen Gefährdungen beispielsweise durch Hartholzstäube, die als krebserzeugend eingestuft sind. 

Manfred Böhler: Außerdem ist Holz ein inhomogener Werkstoff. Ein Stück kann Astlöcher, Harzgallen und vieles mehr in sich tragen. Das hat Einfluss auf einen möglichen Rückschlag, die Vorschubdynamik der Maschinen und so weiter. Technisch ist das gut in den Griff zu bekommen, aber auch auf das Verhalten der Maschinenbediener und -bedienerinnen kommt es an. Sie müssen die Besonderheiten des Werkstoffs kennen und sich darauf einstellen. 

BGHM-Magazin: Wie reagieren die Verantwortlichen in den Betrieben, die Sie besuchen, in der Regel? 

Daniel Braun: Die meisten reagieren offen und kooperativ, manche vielleicht etwas verunsichert. Schlussendlich haben wir immer die Befugnisse, während der Geschäftszeiten den Betrieb zu betreten und Arbeitsschutzmaßnahmen zu überprüfen. Ablehnung erfahre ich selten und wenn, dann weiß ich, dass sie sich nicht gegen mich als Person richtet. Unser Ziel ist es ja, gemeinsam Lösungen zu finden, die im Betriebsalltag funktionieren – das wird in der Regel auch so wahrgenommen. 

Manfred Böhler: Klar freut sich nicht jeder unbedingt, wenn die AP kommt. Es gibt natürlich Vorbehalte, etwa dass die Berufsgenossenschaft in erster Linie Zeit und Geld kostet. Der Nutzen zeigt sich aber oft erst indirekt: Wenn Prävention funktioniert, passieren Unfälle gar nicht erst.

BGHM-Magazin: Was kann Ihrer Meinung nach ein Aktionstag wie der Präventionstag Holz bewirken? 

Manfred Böhler: Das war in meinen Augen ein Türöffnertag. So eine Aktion ist Gespräch in der gesamten Branche – das hilft der Prävention. Außerdem halte ich Präsenz in den Betrieben grundsätzlich für sehr wichtig. Wir müssen uns zeigen lassen, wie in der Werkstatt oder auf der Baustelle gearbeitet wird. 

Daniel Braun: Sicherlich war der Tag für die besuchten Betriebe auch ein Impulsgeber für Änderungen im Nachgang. Wir hoffen natürlich, dass sich die Verantwortlichen dort mit dem Thema Arbeitsschutz weiter beschäftigen, wenn wir weg sind.

BGHM-Magazin: Auf welche Aspekte haben Sie am Präventionstag Holz besonders geachtet?

Daniel Braun: Schwerpunkte des Aktionstages waren die Maschinensicherheit und die Holzstaubabsaugung. Themen wie Arbeitsorganisation, Ordnung und Sauberkeit und die Nutzung der PSA gehören bei jedem Betriebsbesuch dazu. 

Daniel Braun, Aufsichtsperson der BGHM
Daniel Braun stellte am Präventionstag Holz die Präventionskampagne „Check F!VE“ vor. © BGHM
Manfred Böhler, Aufsichtsperson der BGHM
Manfred Böhler prüfte unter anderem Schutzeinrichtungen an Maschinen © BGHM

Manfred Böhler: Wie bei den regulären Betriebsbesuchen auch, habe ich mir zunächst jeweils die betriebliche Organisation angeschaut und bei einigen Themen vergangener Besuche noch mal nachgehakt. Genau wie Daniel habe ich beim Rundgang besonders auf die Schutzeinrichtungen der Maschinen, die Absaugung und die Nutzung der PSA geachtet. Da gab es aber nur wenig zu beanstanden.

BGHM-Magazin: Welchen Fehler sollten holzverarbeitende Betriebe unbedingt vermeiden? 

Daniel Braun: Ein häufiger Fehler ist, Routine zu unterschätzen. Gerade bei wiederkehrenden Tätigkeiten steigt das Risiko für Unachtsamkeit. Genau da setzt auch unsere Präventionskampagne Check F!VE an. Dahinter verbergen sich fünf wichtige Regeln für die sichere Tätigkeit an Holzbearbeitungsmaschinen. Gehen Beschäftigte diese Regeln vor Beginn jedes Arbeitsgangs gedanklich durch, können sie eine sichere Routine entwickeln. 

BGHM-Magazin: Ihr wichtigster Holz-Präventions- Tipp in einem Satz? 

Daniel Braun: Sichere Maschinen, klare Abläufe, konsequente Unterweisung und die aktive Einbindung der Beschäftigten – damit lassen sich die meisten schweren Unfälle vermeiden. 

Manfred Böhler: Fühle dich nie zu sicher, verfalle nicht in Routine, sondern schaue immer wieder mal hin, was in Sachen Prävention noch verbessert werden kann. 

Das Interview führte Lisa Bergmann, BGHM

Ausgabe 4/2026