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Ein Mitarbeiter steht an einer Maschine, doch diese springt nicht an. Stattdessen leuchtet eine kleine Ampel rot auf. Denn es fehlt etwas: Der Mitarbeiter trägt weder Schutzbrille noch Schutzhandschuhe. Erst wenn er beides anzieht, springt die Ampel auf Grün und die Arbeit kann losgehen.
Diese schützende Funktion ist das Ergebnis eines kreativen Arbeitsschutz-Projekts von Dylhan Dario Roman Garrido, Auszubildender zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung beim Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer im Werk Radebeul. Sie soll unvorsichtiges Verhalten an Gefahrenstoff-Arbeitsplätzen im Betrieb mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) verhindern. Für die Umsetzung dieser innovativen Idee erhält Dylhan Garrido den Goldenen Azubi-Sicherheitspreis der BGHM.
Ausgangspunkt war eine Unbedachtheit im Arbeitsalltag: Garrido half in einer anderen Abteilung aus und musste einen hochgelegenen Arbeitsplatz erreichen. Dafür nutzte er kurzerhand eine Plattform, die eigentlich nur zum Bewegen von Gegenständen verwendet werden darf. Ein Kollege machte ihn darauf aufmerksam, wie riskant dies sein kann. Daraus entstand die grundlegende Idee eines Systems, das gefährliche Situationen erkennt und Beschäftigte unmittelbar auf fehlende Schutzmaßnahmen hinweist.
Den passenden Ort, um mit der Umsetzung dieser Idee anzufangen, fand Garrido im Waschbereich für Bauteile und Materialien. Hier werden Gegenstände mithilfe von biologischen Reinigungsmitteln – also Gefahrstoffen – gereinigt. Wenn das Reinigungsmittel durch einen Schlauch zur Bürste gepumpt wird, kann es leicht zu Spritzern kommen, die bei Kontakt mit empfindlichen Körperstellen wie Augen, Nase und Mund zu ernsthaften Verletzungen, in der Regel Verätzungen, führen können. Deshalb müssen Beschäftigte die entsprechende Persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen, wenn sie an dieser Maschine arbeiten: Schutzbrille und Chemikalienschutzhandschuhe.
Garridos Projekt: ein KI-gestütztes Erkennungssystem, das die Reinigungsanlage erst freigibt, wenn es analysiert hat, dass die Person die erforderliche PSA anhat. Dazu hat er das KI-Modell YOLO (You Only Look Once) verwendet und mit circa 740 Bildern trainiert. Mithilfe von Echtzeit- oder kurzintervallischen Bildaufnahmen überprüft das System, ob eine Person Schutzbrille und Chemieschutzhandschuhe trägt. Nur wenn beides erkannt wird, kann die Maschine gestartet werden. Eine Ampel signalisiert den Status: Rot bei fehlender Ausrüstung, Orange bei unvollständiger PSA und Grün, sobald alle Schutzmaßnahmen erfüllt sind.
Solche und ähnliche Gefahrenstoff-Arbeitsplätze gibt es in Deutschland in zahlreichen Unternehmen. Daher könnten in Zukunft viele Beschäftigte von der Idee des Auszubildenden profitieren. Das Projekt hat nämlich das Potenzial, auf verschiedene Maschinen und Situationen übertragen zu werden: Ein ähnliches System könnte etwa dabei helfen, Eintritte in Gefahrenzonen oder medizinische Notfälle zu erkennen – und Arbeit so Stück für Stück sicherer machen.
„Es gibt immer Raum für Verbesserungen“, findet Dylhan Garrido. „Für mich war es aufregend zu sehen, was dank des technologischen Fortschritts möglich ist.“ Seine Motivation für das Projekt war allerdings eine andere: die Sicherheit seiner Kolleginnen und Kollegen. „Ich wollte etwas dagegen tun, dass sie sich vielleicht sogar so verletzen, dass ihr Leben beeinträchtigt ist – und letztendlich auch das ihrer Familien“, so Garrido. Unterstützung erhielt er von seinem Ausbilder Tim Kämpfe und Marian Grabes, Leiter der Abteilung Arbeitssicherheit.
Anne Bräuer ist die zuständige Aufsichtsperson der BGHM für die Koenig & Bauer AG am Standort Radebeul. Sie sagt: „Dieses außergewöhnliche Projekt basiert auf der bemerkenswerten Idee eines Auszubildenen im ersten Lehrjahr und ist ein herausragendes Beispiel für eine gelebte Präventionskultur. Da menschliche Fehler nie vollständig ausgeschlossen werden können, setzt die innovative Lösung genau an dieser Stelle an. Sie erkennt mögliche Versäumnisse frühzeitig und trägt dazu bei, Gefährdungen bereits im Vorfeld zu verhindern – ganz im Sinne einer proaktiven Prävention. Herzlichen Glückwunsch zum mehr als verdienten Goldenen Azubi-Sicherheitspreis 2026!“