Schwere Last sicher gedreht

Goldener BGHM-Sicherheitspreis für F. X. MEILLER Fahrzeug- und Maschinenfabrik GmbH & Co. KG

Goldener BGHM-Sicherheitspreis für F. X. MEILLER Fahrzeug- und Maschinenfabrik GmbH & Co. KG
© BGHM/Czybik & Schmid Media UG, Fotograf: Peter Jülich

Schwere Werkstücke, die manuell gewendet oder umpositioniert werden müssen, gibt es in vielen Betrieben. Das Grundproblem – die Lasthandhabung ohne ausreichende Unterstützung und das damit verbundene Verletzungsrisiko – wird trotzdem häufig nicht hinterfragt. 

Bei F. X. MEILLER, einem Hersteller von Kippern und Hydrauliksystemen aus München, haben Beschäftigte genau das getan. Ein dreiköpfiges Team entwickelte eine Hebe- beziehungsweise Wendehilfe, mit der sich eine 40 Kilogramm schwere Kugel, die als Gelenk des Hydraulikzylinders an Dreiseitenkippern eingebaut wird, sicher und ergonomisch drehen lässt. Für dieses praxisnahe Projekt erhält das Unternehmen den Goldenen BGHM-Sicherheitspreis 2026. 

Vom Problem zur Lösung 

Der ursprüngliche Arbeitsablauf war einfach, aber mit Risiken verbunden: Nach der ersten Aufspannung musste jede Kugel manuell um 180 Grad gedreht werden, um sie für den nächsten Bearbeitungsschritt vorzubereiten. Das bedeutete: ergonomische Belastung durch das volle Gewicht der Kugel auf Händen und Fingern und ein erhöhtes Risiko für Quetsch- und Schnittverletzungen. 

Das Team um Sebastian Schmidt aus dem Bereich MEILLER Produktionssystem entwickelte eine Lösung, die direkt am Problem ansetzt: dem unmittelbaren Heben und Wenden der schweren Kugel. Die Mitarbeitenden konstruierten eine passgenaue Wendehilfe, mit der sich das Werkstück sicher greifen und drehen lässt, ohne es mit den Händen zu berühren. 

Selbst entwickelt, selbst gedruckt 

Die Konstruktion ist bewusst unkompliziert und effizient gehalten: Die nur 2,5 Kilogramm schwere Wendehilfe fertigte Sebastian Schmidt selbst im 3D-Druckverfahren. Eine verstärkende Metallstange als Griff stabilisiert sie und reduziert den Kraftaufwand beim Drehen. 

Vor der Einführung testeten Daniela Cichon und Bryan Elbing sowie die an der Maschine tätigen Mitarbeitenden das Hilfsmittel unter realen Bedingungen am Arbeitsplatz. Ihre Rückmeldungen flossen in Optimierungen ein. „Es war uns wichtig, dass das Werkzeug in der Praxis funktioniert – nicht nur auf dem Papier", sagt Schmidt. Das Ergebnis: eine Wendehilfe, die den Arbeitsalltag spürbar erleichtert und das Verletzungsrisiko deutlich reduziert. 

Arbeitssicherheit als Haltung 

Für Annette Moll, die für F. X. MEILLER zuständige Aufsichtsperson der BGHM, geht die Bedeutung des Projekts über die konkrete Lösung hinaus: „Diese Innovation zeigt, wie wichtig es ist, auch eingefahrene Abläufe zu hinterfragen. Arbeitssicherheit bedeutet nicht, sich mit dem Status quo zufriedenzugeben. Wer Bestehendes prüft und verbessert, stärkt die Sicherheitskultur im gesamten Unternehmen.“ 

Die Wendehilfe von F. X. MEILLER ist ein Beleg dafür, dass präventiver Arbeitsschutz vor allem eines braucht: die Bereitschaft, einen Arbeitsschritt nicht als unveränderlich zu akzeptieren. Dann entstehen Verbesserungen dort, wo gearbeitet wird – praxisnah, von Beschäftigten, die die Prozesse kennen.