Breadcrumb
Handwerkzeuge sind die ältesten Arbeitsmittel des Menschen und trotz voranschreitender Entwicklungen auf dem Gebiet der Technik auch heute noch unentbehrlich. Eine mangelhafte Qualität oder ein Defekt am Werkzeug, eine falsche Anwendung, Sorglosigkeit und fehlende Übung im Umgang verursachten laut Statistiken der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) allein im Jahr 2023 in Deutschland circa 62.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle.
Ob Schnittverletzungen durch Messer, Quetschungen durch Schraubenschlüssel oder Prellungen durch Hammerschläge: So unterschiedlich Handwerkzeuge und ihre Funktionen sind, so unterschiedlich sind auch die Gefährdungen und die Verletzungsfolgen nach einem Unfall. Die neue DGUV Information 209-001 „Mensch und Arbeitsplatz – Arbeiten mit Handwerkzeugen“ beschreibt jeweils Auswahl, Ergonomie, Verwendung und Instandhaltung für typische Handwerkzeuge wie Messer, Schraubendreher oder Handhobel.
Personen, die für den Einkauf und die Beschaffung von Handwerkzeugen zuständig sind, finden in der neuen DGUV Information 209-001 Unterstützung für die Auswahl. Sie erfahren mehr über die entsprechenden Normen wie auch über die Ausführungsarten des jeweiligen Handwerkzeugs. Fehlen einheitliche Normen, wie es etwa bei den meisten Messern der Fall ist, sollten Produkte ausgewählt werden, die das GS- Zeichen, das Zeichen für Geprüfte Sicherheit, tragen. Dieses bestätigt, dass das Handwerkzeug von einer zulässigen, unabhängigen Stelle auf Sicherheit geprüft wurde.
Betriebe sollten grundsätzlich auf Qualität bei der Auswahl ihrer Arbeitsmittel setzen. Zum einen gestalten sie damit gute Arbeitsbedingungen, zum anderen akzeptieren Beschäftigte Werkzeuge in der Regel besser, wenn sie qualitativ hochwertig sind. Bei der Anschaffung ist es zudem sinnvoll, die Beschäftigten einzubinden, damit sie ihre Erfahrung in die Auswahl eines geeigneten Handwerkzeugs einbringen können.
Der Gliederungspunkt „Ergonomie“ der DGUV Information befasst sich mit der menschengerechten Gestaltung der Handwerkzeuge und der Gestaltung ergonomischer Arbeitsplätze, an denen sie zum Einsatz kommen. Mit ergonomischen Handwerkzeugen können Fehlbelastungen reduziert werden, die Schmerzen oder gar Erkrankungen des Bewegungsapparates verursachen können.
Dabei gibt es im Wesentlichen zwei Aspekte: Zum einen sollte das Werkzeug an sich ergonomisch sein. Dazu gehört, dass es gut in der Hand liegt und aus einem Material besteht, das für einen sicheren Halt sorgt. Gerade bei Handwerkzeugen haben zum Beispiel Körpermaße wie die Greifweite einen enormen Einfluss auf eine schädigungsfreie, kraftoptimierte Anwendung des Werkzeugs. Zudem muss auf die individuellen Voraussetzungen der Beschäftigten wie die Händigkeit eingegangen werden. Es sollten beispielsweise Scheren mit verschiedenen Greifweiten im Betrieb vorhanden sein anstatt einer Universalschere. Zum anderen sollten die Arbeitsbedingungen, unter denen das Handwerkzeug genutzt wird, ergonomisch sein. Beispiel: Bei der Benutzung von Handhobeln ist ein ausreichender Bewegungsraum notwendig und die Arbeitshöhe sollte so sein, dass das Werkzeug ohne Anheben der Oberarme geführt werden kann.
Anwenderinnen und Anwender finden unter dem Gliederungspunkt „Verwendung“ außerdem wertvolle Hinweise zum bestimmungsgemäßen und sicheren Gebrauch der Handwerkzeuge. Es wird auf mögliche Gefährdungen bei der Nutzung aufmerksam gemacht und darauf, dass der Umgang mit Handwerkzeugen Ausbildung, Übung und Unterweisung voraussetzt.
Ein Risikofaktor für Unfälle liegt aber auch auf dem bestimmungsgemäßen Gebrauch. Bei Scheren beispielsweise verraten schon die Bauformen, für welchen Verwendungszweck sie gedacht sind. Schlagscheren oder Tafelscheren etwa sollten beim Schneiden von Blechen je nach Härte und Dicke des Materials gewählt werden. Um beim Beispiel Scheren zu bleiben: Werden sie nicht für die vom Hersteller vorgesehenen Materialien und Materialstärken verwendet, kann es sein, dass die Schneiden verklemmen, verschleißen oder beschädigt werden, was wiederum das Verletzungsrisiko erhöht.
Bei welchem Defekt muss ein Handwerkzeug ausgetauscht werden und wann ist eine Reparatur möglich? Was bei Wartung und Pflege von Handwerkzeugen zu beachten ist, wird unter dem Punkt „Instandhaltung“ aufgeführt. Abgerundet wird die Schrift mit Informationen zu Hilfsmitteln, die beispielsweise der sicheren Fixierung von Werkstücken dienen.
Sarah Busse, BGHM
Ausgabe 2/2025