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Individuell höhenverstellbare Montagearbeitsplätze einzurichten, ist oft eine komplexe Aufgabe. Bei der KFV Karl Fliether GmbH & Co. KG, einem Hersteller von Haustürbeschlägen und Schließsystemen, entwickelte ein interdisziplinäres Team eine innovative Lösung: Spezielle Hubmodule ermöglichen es, Arbeitsplätze für die Montage von Mehrfachverriegelungen flexibel und ergonomisch in der Höhe anzupassen. Für diese Entwicklung erhält das Unternehmen mit Sitz in Velbert den Goldenen BGHM-Sicherheitspreis 2025.
Der Impuls für das Projekt entstand dadurch, dass die Produktionslinien räumlich zusammengelegt und einheitlich aufgebaut werden sollten. Im Hochregallager von KFV werden Montagewagen mit allen benötigten Materialien bestückt, bevor die Beschäftigten sie an ihre Arbeitsstationen holen. Bei der Linie für Panikprodukte war das nicht so. Im Zuge der Neustrukturierung der Produktionslinien sollte auch diese Linie auf das System umgestellt werden.
Eine besondere Herausforderung: Eine Mitarbeiterin mit gesundheitlicher Einschränkung benötigte einen höhenverstellbaren Arbeitsplatz. Eine direkte Höhenanpassung an den Montagewagen war jedoch nicht realisierbar, da jeder dafür mit separaten Hub- und Elektrokomponenten hätte ausgestattet werden müssen. Hinzu kam ein weiterer Knackpunkt: Die Montagewagen sollten seitlich an die Arbeitsstation geschoben werden können, da eine vorhandene Ergomatte das Einschieben von vorne verhinderte. „Unsere Idee war es, die Haken zum Anheben des Wagens so zu montieren, dass sie erst ausgefahren werden, wenn er korrekt positioniert ist“, erklärt Antonio Cioffi aus der Abteilung Industrialisierung, die das Projekt leitete.
Das Ergebnis: eine neu entwickelte, an jedem Arbeitsplatz montierbare Vorrichtung mit zwei Hubmodulen, die folgende Funktionen bietet:
Auch die betroffene Mitarbeiterin wurde aktiv in die Entwicklung einbezogen. Die Konstruktion der ausfahrbaren Haken übernahm Andreas Vasilescu aus der Konstruktions-Abteilung, während das Team um Roland Jäger aus der Instandhaltung für die technische Umsetzung sorgte. Die Arbeitssicherheitsfachkraft Nils Ludwig begleitete den gesamten Prozess inklusive abschließender Gefährdungsbeurteilung. Die Ausstattung weiterer Montagelinien soll folgen.
Nach intensiven Tests, unter anderem einem zweitägigen Belastungstest mit komplett bestücktem Montagewagen, bestätigte eine externe Prüfstelle die CE-Konformität der Hubmodule. „Die Lösung setzt an der Quelle der Einwirkungen an und entfaltet damit eine weitreichende Wirksamkeit für die Ergonomie der Beschäftigten“, betont Kolja Gowert, Aufsichtsperson der BGHM. „Das Projekt zeigt, dass sich Investitionen in ergonomische Maßnahmen langfristig auszahlen – in Bezug auf Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.“
Ausgabe 6/2025